Urologie Vaterstetten
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Patienteninformation

Was ist ein lokal begrenztes Prostatakarzinom?

Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom ist der Tumor auf die Vorsteherdrüse beschränkt. Es sind keine Lymphknoten- und/oder Fernmetastasen (Tochtergeschwülste) vorhanden.


Die Therapiemöglichkeiten des lokal begrenzten Prostatakarzinoms

Wie jedes andere Krebsleiden kann auch das Prostatakarzinom mit unterschiedlichen Therapieverfahren behandelt werden. Grundsätzlich gilt, dass ein örtlich auf die Prostata begrenztes Karzinom mit einer lokalen Therapie kurativ, das heißt heilend, behandelt werden kann. Hierzu stehen zwei verschiedene Methoden zur Verfügung: die operative Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) sowie die Strahlentherapie (Brachytherapie - innere Bestrahlung - und Bestrahlung von außen). Bei Tumoren, die sich bereits über die Prostata hinaus ausgebreitet und eventuell Metastasen gebildet haben, muss hingegen systemisch, d.h. der gesamte Organismus behandelt werden.

Unabhängig von der Ausdehnung des Tumors sind bei der Wahl der geeigneten Therapie jedoch zahlreiche individuelle Faktoren zu berücksichtigen. Hierzu zählt zum Beispiel die Lebenserwartung und der körperliche Zustand des Patienten. Bei Patienten mit einer Lebenserwartung < 5 Jahre ist es oft vertretbar, mit einer Therapie abzuwarten und zunächst die weitere Entwicklung des Karzinoms zu beobachten. Bei Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom und einer Lebenserwartung von mehr als 5 Jahren sollte man sich hingegen auf jeden Fall zu einer kurativen Therapie entscheiden, weil das Karzinom das Leben mit hoher Wahrscheinlichkeit verkürzen wird. Gerade jüngere Patienten schrecken jedoch häufiger vor einer Therapie zurück, da sie mögliche Nebenwirkungen wie zum Beispiel Impotenz fürchten.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt genau erklären, wie sich die Vor- und Nachteile der einzelnen Therapieverfahren speziell bei Ihnen auswirken können!

Wichtig ist es deshalb, dass Sie sich als Betroffener selbst intensiv mit den verschiedenen Therapiemöglichkeiten sowie all ihren Vor- und Nachteilen auseinandersetzen. Denn nur der informierte Patient ist in der Lage, aktiv an seiner Genesung mitzuwirken und gemeinsam mit den Ärzten sowie gegebenenfalls auch mit seinen Angehörigen, die für seine Person optimale Entscheidung unter Abwägung von Tumorwirksamkeit und Lebensqualität zu treffen.

 

1. Die operative Therapie (Radikale Prostatektomie)

Entscheiden sich Arzt und Patient für eine radikale Prostatektomie, wird die gesamte Prostata mit Samenbläschen sowie Samenleiteanteilen, ein Teil des Blasenhalses sowie die benachbarten Lymphknoten entfernt. Der große Vorteil des operativen Vorgehens besteht ohne Zweifel in der Möglichkeit, den Tumor mit einem Eingriff restlos zu beseitigen und damit potentiell eine Heilung herbeizuführen. Allerdings besteht die Gefahr, dass Tumorreste nicht vollständig entfernt wurden, so dass der Tumor wieder auftreten kann. Es bestehen aber ferner klare Komplikationsmöglichkeiten, auf die auch der erfahrene Operateur nur bedingt Einfluss nehmen kann.

Eine Problematik der Totaloperation besteht in der möglicherweise damit verbundenen Harninkontinenz (unwillkürlicher Harnverlust). Das heißt, dass der operierte Patient zumindest vorübergehend oder auch langfristig die Fähigkeit verliert, den Urin zu halten. Das liegt daran, dass bei der Operation immer auch der äussere Schließmuskel mitverletzt werden kann. Die langfristigen Inkontinenzraten schwanken stark und werden in der medizinischen Literatur mit 0-50% beschrieben.

Das Risiko der Impotenz nach einer radikalen Prostatektomie liegt bei etwa 50-80%. Inkontinenz tritt auch bei sehr erfahrenen Operateuren bei über 10% der behandelten Patienten auf.

Das zweite große Problem der operativen Therapie ist die oft daraus resultierende Impotenz. Das bedeutet konkret, dass Libido und Orgasmusfähigkeit zwar erhalten bleiben, die Erektionsfähigkeit des Penis jedoch bei sehr vielen Patienten verloren geht. Ursache hierfür sind Verletzungen bzw. Durchtrennungen der beiden Gefäß-Nervenbündel , die sehr nah an der Prostata verlaufen. Abhängig von der Lage und der Ausdehnung des Tumors können diese Nervenstränge in vielen Fällen jedoch nur mit sehr viel Geschick geschont werden.

 

2. Die Strahlentherapie

Unter dem Begriff Strahlentherapie werde n verschiedene Bestrahlungsmethoden mit unterschiedlichen Anwendungsbereichen zusammengefasst:
  • externe Bestrahlung (von außen)
  • Brachytherapie:
    • Seedimplantation
    • Afterloading-Therapie


Externe Bestrahlung

Die bekannteste Form der Strahlentherapie ist die externe, d.h. Bestrahlung von außen. Das Tumorgebiet wird hierbei über einen Zeitraum von etwa 7 Wochen an jedem Wochentag mit dem Ziel bestrahlt, die Krebszellen soweit zu schädigen, dass sie schließlich zugrunde gehen.

Als alleinige bzw. kurative Therapie kann die externe Bestrahlung bei Tumoren im sehr frühen Stadium eingesetzt werden. Die Problematik der externen Bestrahlung besteht jedoch darin, dass die Strahlengesamtdosis auf ca. 70-80 Gy (Gray = Bestrahlungsdosis) limitiert ist, um die Nebenwirkungen an Harnwegen, Blase und Darm zu begrenzen. Deutliche Verbesserungen in Bezug auf die Präzision des Bestrahlungszieles und der Nebenwirkungen wurden mit der 3D konformalen Strahlentherapie erzielt. Ein Bestrahlungsplan wird für jeden Patienten individuell erstellt. Bei der externen Bestrahlung treten vorübergehend Symptome des Harntraktes auf, die nach einigen Wochen wieder verschwinden. Eine Harninkontinenz tritt nach Bestrahlung nur selten auf. Probleme bereitet häufiger der Darm. Sehr selten sind schwere Schädigungen im Enddarmbereich. Die sexuelle Impotenz (33-61%) ist eine Komplikation, die sich erst im Laufe der Jahre entwickelt.


Die Seed-Implantation (permanente Implantation)

Die permanente Brachytherapie (brachy = kurz, also „Kurzdistanzbestrahlung“) oder Seedimplantation ist eine kurative (heilende) und gleichzeitig besonders schonende Form der Strahlentherapie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom. Aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit wird sie immer häufiger als Alternative zur radikalen Prostatektomie, der Totaloperation, eingesetzt. Mit Hilfe spezieller Hohlnadeln werden die Strahlenquellen in Form von winzigen radioaktiven Implantaten (Seeds) bei diesem Verfahren direkt in die Prostata eingebracht. Als radioaktive Quellen werden Iod (I-125) oder Palladium (Pd-103) eingesetzt. Auf diese Weise können deutlich höhere Strahlendosen direkt in der Prostata mit Schonung umliegender Organe verabreicht werden als bei einer externen Bestrahlung. Die Implantate verbleiben in der Prostata und geben die Strahlung langsam abnehmend über mehrere Monate (bei Iod-125 in etwa 12 Monaten und bei Palladium-103 in etwa 3 Monaten) unmittelbar in das Tumorgewebe ab. So wird das Prostatakarzinom allmählich zerstört, ohne dass gesundes Gewebe wesentlichen Schaden erleidet.

Der Vorteil gegenüber der Totaloperation besteht ganz klar in einer erheblichen Minderung der Komplikationen und Nebenwirkungen. Das Auftreten von Inkontinenz liegt nach Implantation der Seeds bei unter 2 %. Die Potenz ist bei mehr als 80 % der Patienten 2 Jahre nach Implantation noch erhalten. Aufgrund später auftretender strahlungsbedingter Schäden sowie dem fortschreitenden Alterungsprozess erhöht sich die Zahl über Jahre hinweg weiter. Fünf Jahre nach erfolgter Seed-Implantation liegt die Rate bei 50 %. Prostatakarzinom-patienten, die sich vor dem 70. Lebensjahr der Seed-Implantation unterziehen, schneiden erfahrungsgemäß besser ab. Zudem eröffnet die Seed-Implantation denjenigen Patienten eine adäquate Alternative zur Totaloperation, die aufgrund ihres Alters oder anderer medizinischer und/oder sozialer Faktoren eine Operation vermeiden möchten.


Afterloading-Therapie (temporäre Implantation)

Bei dieser Form der Brachytherapie wird ein radioaktiver Strahler über Hohlnadeln in die Prostata eingebracht. Der hochenergetische Strahler verbleibt nur eine kurze, nach einem Dosisplan genau berechnete Zeit in der Prostata. Das Afterloading-Verfahren wird 2-3x hintereinander in etwa einem einwöchigen Abstand durchgeführt und meistens mit der externen Strahlentherapie kombiniert. Häufig wird die Afterloading-Therapie bei Prostatakarzinomen im lokal fortgeschritteneren Stadium eingesetzt.

Die kurativen Therapiemöglichkeiten im Überblick:

  Radikale Prostatektomie Seed-Implantation Externe Bestrahlung
Einsatzbereich Kurative Therapie bei lokal auf die Prostata begrenztem Karzinom Kurative Therapie bei lokal auf die Prostata begrenztem Karzinom Kurative Therapie bei Karzinom im Frühststadium,
Ambulante oder stationäre Durchführung Stationär (mind. 14 Tage und anschließend lange Erholungsphase) Ambulant oderStationär (bis 3 Tage) Ambulant
Narkose Vollnarkose Spinalanästhesie Vollnarkose Keine
Wirksamkeit 84% Heilungsrate 12-Jahres-Daten vergleichbar mit der radikalen Prostatektomie (85%) 85% Heilungsrate
Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen Impotenz (bis 80 %)

Harninkontinenz (5-50 %)

Allgem. Operationsrisiken durch Vollnarkose, Bluttransfusion etc.
Impotenz (20 % nach 2 Jahren)

Harninkontinenz (unter 2 %)

Vorübergehende Reizungen bzw. Entzündungen an Harnweg, Blase und Enddarm. Ggf. Narkoserisiko.
Impotenz (über 40% nach 2 Jahren)

Harninkontinenz (10-20%)

Vorübergehende Reizungen bzw. Entzündungen an Harnweg, Blase und Enddarm sowie äußerlich im bestrahlten Bereich. Schwere Enddarm-schäden (unter 1%)

 

Die Seed-Implantation als kurative Therapie

In den USA wird die Seed-Implantation mit Iod-125 bereits seit mehr als 15 Jahren angewandt. Mit steigender Tendenz werden dort jährlich etwa 40 000 Patienten behandelt. Aufgrund der guten Ergebnisse bei vergleichsweise geringfügigen Nebenwirkungen und der relativ geringen Belastung für den Patienten hat sich die Methode auch in Deutschland etabliert. Derzeit wird die Seed-Implantation bereits in mehreren deutschen Kliniken und Therapiezentren, teilweise auch ambulant, angewandt.


Die Wirkungsweise therapeutischer Strahlen

Wie bereits in der Gegenüberstellung der verschiedenen Therapiemethoden gesagt, ist die Seed-Implantation eine spezielle Form bzw. Weiterentwicklung der Strahlentherapie. Die Strahlentherapie wird bereits seit mehr als hundert Jahren gegen bösartige Tumore eingesetzt und befindet sich heute auf einem sehr hohen technischen Niveau.

Ziel der Strahlentherapie ist es, die Tumorzellen zu schädigen, so dass sie ihre Fähigkeit zur Teilung verlieren und schließlich zugrunde gehen. Dabei macht man sich das zelleigene Reparatursystem zunutze, ohne das ein vertretbares Nutzen-Risiko-Verhältnis kaum zu erzielen wäre: Für den Fall einer Schädigung verfügt jede gesunde Zelle über die Fähigkeit, Defekte selbstständig auszugleichen. Bei Krebszellen funktioniert dieses Reparatursystem weniger gut, so dass die Bestrahlung auf das Tumorgewebe eine größere Wirkung hat als auf das umliegende und durchstrahlte gesunde Gewebe. Während sich die gesunden Zellen zu einem Großteil wieder regenerieren, werden in den Krebszellen durch die externe Bestrahlung, die täglich über mehrere Wochen durchgeführt wird, oder durch die kontinuierliche Bestrahlung der Seeds immer mehr Schäden gesetzt, bis die Zellen absterben.

Trotzdem leidet das gesunde Gewebe unter der externen (äußerlichen) Bestrahlung, so dass hinsichtlich der Strahlendosis immer ein Kompromiss geschlossen werden muss, damit keine unerwünschten bleibenden Schäden entstehen. Die als maximal verträglich eingestufte Strahlungsdosis liegt bei der 3D konformalen Strahlentherapie bei etwa 75 Gray (Gray ist die Maßeinheit für Strahlen).

Bei der Seed-Implantation ist dieser Kompromiss unnötig. Die Strahlenquelle in Form von wenigen Millimetern messenden radioaktiven Stiften (Seeds) mit Iod-125 oder Palladium-103 wird hierbei direkt in die Prostata eingebracht. Die Strahlung der Seeds reicht nur wenige mm im Gewebe, so dass das Tumorgewebe zwar zerstört, jedoch das umliegende gesunde Gewebe geschont wird. Aus diesem Grund kann die Gesamtstrahlendosis bei der Seed-Implantation auf bis zu 145 Gray erhöht werden, ohne dass folgenschwere Nebenwirkungen auftreten. Eine Weiterentwicklung stellt die „Rapid Strand-Technik“ dar, bei der die Iod-Seeds über einen Faden verbunden sind, und nicht einzeln implantiert werden. Dadurch wird eine präzisere Implantation erreicht, die Dauer der Implantation verkürzt und die Wanderung der Seeds nahezu ausgeschlossen.

Die bis zu 80 reiskorngroßen Stifte sind titanummantelt und verbleiben dauerhaft in der Prostata. Sie geben über einen Zeitraum von 3 (bei Palladium-103) bis 12 (bei Iod-125) Monaten kontinuierlich Strahlen ab und werden schließlich inaktiv. Diese inaktiven Titanhülsen sind für den Patienten jedoch nicht spürbar. Sie haben keine nachteilige Wirkung auf das umliegende Gewebe und reagieren auch nicht auf Metalldetektoren, z. B. an Flughäfen.

permanente Seed-Implantation
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